Wo es Kinder gab, da gab es damals auch Prügel, und meistens ganz heftige“ – Kindererziehung in früheren Zeiten.

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Prof. Dr. Eva Matthes
Lehrstuhl für Pädagogik

Im Vortrag geht es darum, wie die Kindererziehung im 18. und 19. Jahrhundert bei den Bauern, bei den Adligen und bei den Bürgern aussah.

Bei den Bauern wurden die Kinder von früh an zur Arbeit mit herangezogen. Die Kinder hatten ein festes Pensum Arbeit zu erfüllen; harte Strafe drohte dem, der diese Pflicht nicht erfüllte. Alle Arbeiten lernte man durch Mitmachen, die Schule war in diesen Zeiten für die Landkinder Nebensache, sie besuchten sie – wenn überhaupt – sehr unregelmäßig. Die erste Verhaltensregel, die der Lehrer Duckwitz 1810 für die Kinder seiner Landschule formulierte, lautete deshalb: „Jedes Kind muß sich zur bestimmten Zeit in der Schule einfinden“.

Die Kinder der Adligen wurden sehr früh in Kleidung und Frisur den Erwachsenen angepasst. Toupet und Locken wurden mit Wachs, Pomade, Nadeln und Puder geglättet und aufgetürmt; bei Empfängen mussten die Kinder bei jedem mit tiefer Verbeugung die Runde machen und die Hand küssen. Um die Kinder kümmerten sich Amme, Kinderfrau, Gouvernante und Hofmeister.

Die Mädchen und Jungen der Handwerkerfamilien wurden sehr unterschiedlich erzogen. Während die Mädchen sehr viel im Haushalt helfen mussten, verbrachten die Jungen viel Zeit auf der Straße. Zwischen 12 und 15 Jahren begannen die Jungen eine Handwerkslehre; manchmal lernten sie beim eigenen Vater, in der Regel aber verließen sie das Elternhaus. Im Haushalt des Meisters waren sie dem Herrn ganz ähnlich unterworfen wie zuvor dem eigenen Vater, Prügel waren auch hier keine Seltenheit. Im wohlhabenden Bürgertum widmeten sich die Mütter zunehmend selbst und mit Intensität der Kindererziehung. Es wurde ihr Bereich. Lernen und Leistung erhielten einen hohen Stellenwert – wenngleich Mädchen und Jungen jeweils anderes lernen sollten.